Wenn die Hausaufgaben gemacht sind — und die Zahlen es trotzdem nicht zeigen

Regnauer hatte KI vorbildlich eingeführt. Vier Gespräche zeigten, warum die Nutzungszahlen davon noch nichts wussten.

Symbolbild: Zwei Personen im Einzelgespräch an einem großen Holztisch; eine spricht und gestikuliert, die andere macht Notizen. Durch die Fensterfront sind gestapelte Holzelemente und bewaldete Hügel zu sehen.
Bild: KI-generiert
Kunde
Regnauer Fertigbau GmbH & Co. KG, Seebruck/Chiemsee (DE)
Branche
Fertighausbau / Fertigung
Zeitraum
August 2026
  • KI-Adoption
  • Diagnose
  • Use-Case-Landkarte
  • Bericht an die Geschäftsleitung

Ausgangslage

Regnauer Fertigbau ist bei KI früh und konsequent vorangegangen: Werkzeuge für alle bereitgestellt, eine eigene KI-Zuständigkeit besetzt, ein wöchentliches Vermittlungsformat, dazu Tutorials und ein Podcast. In Vertrieb und Architektur läuft KI bereits produktiv — Visualisierungen und Materialvarianten, für die früher Stunden veranschlagt wurden, entstehen heute in Minuten.

Nur die Nutzungszahlen blieben hinter dieser Vorarbeit zurück. Die Geschäftsleitung wollte wissen, woran das liegt, und beauftragte einen Workshop, der die Möglichkeiten aufzeigt und zur Nutzung motiviert.

Vorgehen

Statt sofort zu schulen, haben wir zuerst zugehört. An einem Tag: vier Einzelgespräche mit Führungskräften aus Vertrieb, Produktion, Technik und der KI-Zuständigkeit, je 30 Minuten, bewusst als Diagnose angelegt und nicht als Produktvorführung — plus ein Abschlussgespräch mit der Geschäftsleitung.

Daraus entstanden zwei Dokumente: eine KI-Use-Case-Landkarte mit rund 30 Anwendungsfällen über alle Bereiche, bewertet nach Nutzen, Aufwand und Voraussetzung, und ein Bericht an die Geschäftsleitung mit priorisierten Empfehlungen in drei Zeithorizonten und sechs konkreten Entscheidungsfragen.

Ergebnis

Kein Akzeptanzproblem — im Gegenteil. Alle befragten Führungskräfte arbeiteten bereits routiniert mit KI, und jede von ihnen brachte konkrete, wirtschaftlich sinnvolle Anwendungsideen mit. Die Werkzeuge und Maßnahmen im Haus waren richtig gewählt. Was die Kurve flach hielt, waren zwei andere Dinge:

Zu viel Auswahl

Solange nicht zugeordnet ist, welches Werkzeug wofür gedacht ist und welcher Inhalt hineindarf, führt Auswahl nicht zu Entscheidung, sondern zu Zögern. Eine einseitige Klassifizierung löst das — eine Entscheidung, kein Projekt.

Das Format, nicht der Inhalt

Das wöchentliche Kurzformat erreicht rund sechzig Personen und ist inhaltlich stark, erzeugt aber kaum Rückfragen: Vor einem so großen Kreis fragt niemand gern. Genau deshalb wirkten die Einzelgespräche — ein Nebenbefund, den der Kunde direkt übernommen hat. Change Management läuft im persönlichen Format schneller als in der Großrunde.

Dazu: eine benannte Anlaufstelle für Ideen mit kleinem Erprobungsbudget. Nebenbei erfüllt das Vorgehen die Nachweispflicht zur KI-Kompetenz nach Artikel 4 der KI-Verordnung.

Der Führungskräfte-Workshop hat bestätigt, dass wir bei Regnauer bereits sinnvoll mit KI arbeiten. Gleichzeitig haben wir klare Prioritäten und konkrete nächste Schritte identifiziert, um die Nutzung gezielter auszurichten und ihr Potenzial für reale Effizienzsteigerungen zu nutzen.
Heidi RegnauerLeitung Organisationsentwicklung, Regnauer Fertigbau

Erkenntnis

Flache Nutzungszahlen sind selten ein Motivationsproblem. Häufiger sind sie ein Zeichen dafür, dass gute Vorarbeit noch nicht fokussiert ist: zu viele Optionen ohne Zuordnung, und Vermittlung in zu großer Runde.